| Süchtig kann man nach vielem werden. Ob nach Alkohol, Nikotin, Cannabis, Fernsehen, Sex, Schokolade, Anerkennung, Macht - alles, was unser Belohnungssystem in irgendeiner Form antriggert, uns schöne Gefühle macht, ist ein potentielles Suchtmittel. Aus meiner Sicht ist es dumm, etwas - oft nur vordergründig - deshalb zu verbieten. Klar, es gibt Drogen mit einem extrem hohen Sucht- und Schädigungspotential Gold kaufenwie Nikotin und Heroin. Dabei ist es - wie im letzterem Fall - gar nicht die Droge allein, sondern die mit dem Gebrauch einhergehenden Probleme aufgrund gesellschaftlicher Ächtung oder rechtlicher Repressalien. Insofern kann jedes Spiel und natürlich auch World of Warcraft zu einem Suchtmittel werden. WoW mag hier ein stärkeres Potential haben als beispielsweise Freecell, Solitair oder Minesweeper. Einerseits durch den Stufenaufbau des Spieles (”Nur noch dieses Level, dann hör ich auf”), den Gruppenzwang bei Raids, der es erforderlich macht, das Reallife (RL) nach dem Virtuellen Leben (VL) im World of Warcraft auszurichten (hat Blizzard glücklicherweise mit BC etwas entschärft) und den Wunsch nach noch besseren, tolleren Items. Andererseits durch die Faszination dieser Welt an sich, den Wunsch nach Fantasie, der bereits ein Garant für den Erfolg von Harry Potter und Herr der Ringe darstellte. Bei WoW liest man nicht nur von Zauberern, hier kann man selbst Magier sein! Ist für einige Stunden kein Mensch, der vielleicht seine Brötchen in einem langweiligen Büro verdient, sondern ein Elf, der auf der Suche nach Abenteuer durch die Wälder streift.
Als ich erstmals von diesem Spiel hörte, war mir seine Faszination sofort klar. Ein oder zwei Jahre schlich ich herum wie die Katze um den heißen Brei, bis es dann soweit war und ich einstieg. Einen Monat meines Lebens verbrachte ich in diesem Spiel und habe kaum etwas davon bereut: Ich spielte, lernte, lachte, hatte schöne Begegnungen, die sich auch auf das reale Leben auswirkten. Weiterhin arbeitete ich, machte Sport, hatte Beziehungen. World of Warcraft ersetzte bei mir vor allen Dingen das Schauen von Filmen. Ich ersetzte eine Kulturtechnik durch eine andere. Aktives Spielen statt passives Glotzen.
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